Fußbodenkühlung, Temperierung & Fernkälte: Alternativen zur Klimaanlage

Die Temperaturen in den heißen Monaten des Jahres steigen kontinuierlich. An Hitzetagen über 30 Grad hält man es ohne Kühlmöglichkeit kaum in den eigenen vier Wänden aus. Hier gibt's einen Überblick über verschiedene Kühlmöglichkeiten.
Aktualisiert am: 06.07.20265 Min. Lesezeit
Bodenaufbau bei Fußbodenkühlung. Rohre sind vom Estrich umgeben, darauf befindet sich der Fliesenkleber und der Bodenbelag.

Expert*innen gehen davon aus, dass wir in weniger als 20 Jahren etwa gleich viel Kühlenergie wie Heizenergie brauchen. Damit der steigende Bedarf an Kühlung in Wohnungen, Büros und öffentlichen Gebäuden gedeckt werden kann, braucht es verschiedene Technologien. Dazu zählen etwa Fernkälte, Temperierung über Flächenheizungen und, wenn andere Möglichkeiten nicht verfügbar sind, mobile Klimageräte.

Was ist der Unterschied zwischen Temperierung, Fußbodenkühlung und Fernkälte?

Temperierung, Fußbodenkühlung und Fernkälte werden oft in einem Atemzug genannt. Sie sind aber nicht dasselbe.

  1. Temperierung

    Bei der Temperierung wird ein Gebäude sanft gekühlt. Dafür fließt rund 20 Grad kühles Wasser durch bestehende Flächenheizungen. Diese Leitungen befinden sich häufig im Fußboden, können aber auch in Wänden oder Decken verlegt sein. Ziel ist nicht die starke Abkühlung wie bei einer Klimaanlage, sondern ein angenehmeres Raumklima.

  2. Fußbodenkühlung

    Fußbodenkühlung ist eine konkrete Form der Temperierung. Dabei werden die Leitungen im Fußboden genutzt, die im Winter für Wärme sorgen. Im Sommer nimmt das kühle Wasser Wärme aus den Räumen auf und transportiert sie ab.

  3. Fernkälte

    Bei Fernkälte wird Wasser im einstelligen Temperaturbereich über ein eigenes Leitungsnetz zu Gebäuden transportiert. Damit diese Kälte im Gebäude verteilt werden kann, braucht es passende technische Anlagen. Etwa Lüftungssysteme, Kühldecken oder Fan Coils. Solche Systeme sind typischerweise in Bürogebäuden, Krankenhäusern, Hotels oder größeren Zweckbauten vorhanden. In Wohnungen nur selten.

Wie funktioniert Temperierung über Flächenheizungen?

Bei der Temperierung wird die bestehende Technik einer Flächenheizung genutzt. Im Winter fließt warmes Wasser durch die Leitungen und beheizt die Räume. Im Sommer kann rund 20 Grad kühles Wasser durch dieselben Leitungen geführt werden.

Das Wasser nimmt Wärme aus den Räumen auf und transportiert sie ab. Dadurch entsteht keine punktuelle Kaltluft wie bei einer klassischen Klimaanlage. Die Kühlung wirkt gleichmäßig und sanft. Besonders gut funktioniert das System im dauerhaften Betrieb, weil Boden, Wand oder Decke langsam temperiert werden.

Ein wichtiger Vorteil: Weil das Wasser mit rund 20 Grad nicht zu kalt ist, entsteht in der Regel kein Kondensationsproblem. Deshalb können bestehende Verteilsysteme für die Temperierung genutzt werden.

Wo kommt Temperierung zum Einsatz?

Fernkältemaschine Donaufeld

Temperierung eignet sich besonders für Gebäude, in denen Flächenheizungen bereits vorhanden sind oder von Beginn an eingeplant werden. Das ist häufig bei neuen Wohnhausanlagen und Stadtentwicklungsgebieten der Fall.

Ein aktuelles Beispiel ist das Stadtentwicklungsgebiet Donaufeld zwischen Floridsdorf und Donaustadt. Dort ziehen im Sommer 2026 die ersten Bewohner*innen ein und profitieren direkt von einer klimafreundlichen Lösung für heiße Tage. Wien Energie hat dafür im Juni 2026 am Donaufeld eine neue Kältezentrale in Betrieb genommen. Sie besteht aus zwei Kältemaschinen mit 750 und 500 Kilowatt Leistung und versorgt rund 1.000 Wohneinheiten und insgesamt 66.000 Quadratmeter Wohnfläche.

Energieversorgungskonzepte mit Flächenkühlsystemen kommen auch schon bei mehreren anderen Stadtentwicklungsprojekten zum Einsatz. Etwa am Nordbahnhof, beim Village im Dritten, in der Joseph Lister Gasse oder im Kirschblütenpark.

Was ist Fernkälte?

Fernkältezentrale in der alten Post. Grüne „Kaltwasser“ Etiketten zeigen die Fließrichtung des Kaltwassers an.

Fernkälte ist eine umweltfreundliche Art der Kühlung. Dabei wird Kälte in Form von kaltem Wasser über ein eigenes Leitungsnetz zu den Abnehmer*innen transportiert. Dort nimmt das Wasser Wärme aus dem Gebäude auf und transportiert sie ab.

Die Kälte wird in eigenen Zentralen mit hocheffizienten Kältemaschinen erzeugt. Wien Energie setzt dafür zwei verschiedene Arten von Kältemaschinen ein: Absorptionskältemaschinen und Kompressionskältemaschinen.

Absorptionskältemaschinen werden mit thermischer Energie betrieben, etwa mit Abwärme aus der Müllverbrennung. Diese Wärme steht auch im Sommer zur Verfügung und kann so für die Erzeugung von Fernkälte genutzt werden. Kompressionskältemaschinen werden elektrisch betrieben und funktionieren ähnlich wie ein Kühlschrank.

Wo kommt Fernkälte zum Einsatz?

Fernkälte eignet sich besonders für Gebäude mit hohem Kühlbedarf und passender Haustechnik. Dazu zählen zum Beispiel Bürogebäude, Krankenhäuser, Hotels, Einkaufszentren oder öffentliche Gebäude.

Damit Fernkälte genutzt werden kann, braucht es im Gebäude geeignete Kühlsysteme, etwa Lüftungssysteme, Kühldecken oder Fan Coils. Deshalb ist Fernkälte vor allem dort sinnvoll, wo die nötige Technik bereits vorhanden ist oder bei Neubauten mitgeplant wird.

Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen benötigt Fernkälte deutlich weniger Primärenergie. Auch die CO₂ Emissionen sind im Betrieb deutlich geringer.

Kann Fernkälte in Privathaushalten nachgerüstet werden?

Grundsätzlich ist eine Nachrüstung möglich, in der Praxis gibt es aber einige Hürden. Fernkälte hat nichts mit dem Fernwärmenetz zu tun. Es handelt sich um zwei voneinander unabhängige Systeme, sowohl im Netz als auch in der Hausinstallation.

Damit ein Gebäude Fernkälte nutzen kann, braucht es also nicht nur eine Leitung in der Nähe, sondern auch die passende technische Ausstattung im Haus. Für einzelne Wohnungen ist eine Nachrüstung daher meist aufwendiger als bei großen Gebäuden oder neuen Wohnhausanlagen.

Tipps zum Kühlen - Alternativen zur Klimaanlage

Nicht jede Wohnung kann mit Fernkälte oder Temperierung versorgt werden. Besonders in bestehenden Gebäuden sind nachträgliche bauliche Veränderungen oft aufwändig. Viele Mieter*innen von Altbau Wohnungen dürfen außerdem keine fixe Klimaanlage einbauen oder notwendige Installationen durchführen.

In solchen Fällen können vielleicht diese Maßnahmen gegen die Hitze helfen:

  • tagsüber Fenster geschlossen halten
  • in der Nacht lüften
  • Räume beschatten
  • zusätzliche Wärmequellen vermeiden

Fazit: Welche Kühlung passt zu welchem Zuhause?

Welche Kühlung geeignet ist, hängt stark vom Gebäude ab. Fernkälte ist besonders effizient für große Gebäude mit passender Haustechnik. Temperierung über Flächenheizungen eignet sich vor allem für moderne Wohnhausanlagen, in denen die Leitungen bereits vorhanden sind oder von Beginn an mitgeplant werden.

Für bestehende Wohnungen, in denen diese Lösungen nicht verfügbar sind, kann ein mobiles Klimagerät eine praktische Alternative sein. Entscheidend ist, dass die Kühlung zum Gebäude, zur Nutzung und zu den technischen Möglichkeiten passt.

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